
Der Mond wächst dieser Tage auf sein Volles zu – ein Bild, das sich gut neben eine Gestalt wie Rumi stellen lässt, der selbst vom Werden sprach, nie vom Fertigsein.
Im 13. Jahrhundert wirkte Dschalal ad-Din Rumi in Konya, im heutigen Zentralanatolien. Aus seiner Trauer über den Verlust seines Weggefährten Shams-e Tabrizi entstand eine Praxis, die bis heute mit dem Sufi-Orden der Mevlevi verbunden ist: das Sema, der drehende Tanz der Derwische. Dabei ist die Drehung kein Selbstzweck – sie gilt als Weg, das eigene Kreisen um sich selbst loszulassen und offener zu werden für das, was größer ist als das Ich.
Die moderne Forschung kennt kein Pendant zum "Sema" als religiöser Praxis, aber rhythmische, sich wiederholende Bewegung wird in Studien zu meditativen Zuständen mit veränderter Aufmerksamkeit und einem Gefühl von Weite in Verbindung gebracht. Auch Rumis Gedichte selbst sind in der Literaturtherapie ein anerkanntes Werkzeug zur Selbstreflexion – nicht als Heilmittel, sondern als Sprache für das, was schwer in eigene Worte zu fassen ist.
Wächst gerade etwas in dir, das noch keinen Namen hat – und müsste es schon einen haben?
Bleibe kritisch. Nimm nur mit, was dich berührt.
— Redaktion CelestialSoul