
Der Vollmond gilt in vielen Traditionen als Moment, in dem Verborgenes sichtbar wird. C.G. Jung nannte jenen Teil der Psyche, den wir verdrängen oder ablehnen, den "Schatten" – ausgearbeitet in den 1910er bis 1940er Jahren in seiner analytischen Psychologie. Anima und Animus beschreiben bei ihm die unbewussten Gegenpole der eigenen Geschlechtsidentität, eingebettet in ein "kollektives Unbewusstes", das er als gemeinsames Bildreservoir der Menschheit verstand.
Jungs Modell eines vererbten kollektiven Unbewussten gilt in der akademischen Psychologie heute als wissenschaftlich nicht belegt – es lässt sich empirisch kaum prüfen. Der Begriff des "Schattens" lebt jedoch in abgewandelter Form weiter: Moderne Therapieansätze wie die Schematherapie oder Ansätze der Teile-Arbeit greifen den Gedanken auf, dass abgelehnte Anteile der Persönlichkeit benannt und integriert werden können, statt sie zu verdrängen. Als psychologisches Reflexions-Werkzeug, nicht als bewiesene Struktur der Psyche, wird das Konzept bis heute genutzt.
Welcher Anteil von dir zeigt sich eher selten – und was verändert sich, wenn du ihm heute Abend kurz Raum gibst, ohne ihn sofort zu bewerten?
Bleibe kritisch. Nimm nur mit, was dich berührt.
— Redaktion CelestialSoul