
Träume zwischen Deutung und Zufall
Seit Jahrhunderten gilt der Traum als Bote. Im Ägypten der Pharaonen suchten Menschen in Tempeln absichtlich den Schlaf, um Botschaften der Götter zu empfangen. Aborigines Australiens sprechen von der „Traumzeit", einer Ordnung, die Wachen und Schlafen verbindet. Carl Gustav Jung deutete Träume im 20. Jahrhundert als Sprache des kollektiven Unbewussten – Archetypen, die sich in wiederkehrenden Symbolen zeigen.
Der Schlafforscher J. Allan Hobson widersprach dieser Symbolik. Seine Aktivierungs-Synthese-These besagt: Im REM-Schlaf feuert das Gehirn weitgehend zufällig, und das, was wir „Traum" nennen, ist der Versuch des Cortex, aus diesem Rauschen eine Geschichte zu bauen. Neuere Forschung sieht beides nicht zwingend als Widerspruch – Träume verarbeiten offenbar emotionale Eindrücke des Tages, unabhängig davon, ob man ihnen eine tiefere Bedeutung zuschreibt.
Der Mond nimmt gerade zu, schmal noch, eine Sichel. In manchen Traditionen gilt diese Phase als Zeit des Beginnens, nicht des Deutens – vielleicht ein Moment, einen Traum einfach aufzuschreiben, ohne ihn sofort erklären zu wollen.
Was hat dich zuletzt aus dem Schlaf begleitet – ein Bild, ein Gefühl, ein Satz, der blieb, obwohl du nicht weißt, warum?
Bleibe kritisch. Nimm nur mit, was dich rührt.
— Redaktion CelestialSoul